Mentale Stärke aus dem Sport in bewegten Zeiten nutzen!

Mentale Stärke aus dem Sport in bewegten Zeiten nutzen!

Endlich war es soweit! Clara und Anton standen im Herbst 2019 am Start ihres 3. gemeinsamen Marathons. Dafür hatten sie sich lange vorbereitet. Manchmal war es ziemlich herausfordernd, das Marathontraining mit ihrem Privatleben sowie beruflichen Aufgaben unter einen Hut zu bringen.

Dennoch gingen sie optimistisch an den Start. Ihre Vorfreude war groß und sie genossen die mitreißende Stimmung am Start. Es ging los! Nach einigen Kilometern hatten sie ihren Rhythmus und das passende Renntempo gefunden. Sie liefen locker und gewannen an Zuversicht je näher sie dem Ende der Halbmarathon-Distanz kamen.

Doch einige Kilometer später kam plötzlich und unerwartet ein eisiger Wind auf, wurde immer kälter und es begann wie aus Eimern zu regnen. Von einer Sekunde zur anderen waren Zweifel da. Clara und Anton hinterfragten ihre Entscheidung den ganzen Marathon (42,195 km) zu laufen. Der Wetterumschwung machte ihre geplante Strategie zunichte, sie spürten wie ihre Beine schwerer wurden und die Motivation von Schritt zu Schritt weiter sank. 

Mental

Was würden wohl ihre Familien und FreundInnen denken, wenn die beiden den Marathon abrechen? Auch viele ihrer ArbeitskollegInnen wussten von ihrem Marathonstart. Wie lange würden Clara und Anton noch durchhalten? Dabei wird die Stimme ihres „inneren Kritikers“ immer lauter. Aber plötzlich wurde diese unterbrochen.

Clara bemerkte eine Zuschauerin, die ein Schild mit der Aufschrift „Du schaffst das!“ hochhielt. Bei der nächsten Versorgungsstation fand ein freiwilliger Helfer aufmunternde Worte für Anton. Auch dieser Zuspruch ermutigte ihn und Clara. Und noch etwas: die beiden fingen an darüber nachzudenken, wie sie in der Vergangenheit andere Herausforderungen gemeistert hatten. 

Sie erinnerten sich an einen anderen Marathon, an dem sie vor ein paar Jahren gemeinsam teilgenommen hatten. Damals war es bereits am Start viel zu heiß und die Temperatur stieg während des Laufs auf über 30 Grad. Daher wurden die Getränke an den „Labstellen“ entlang der Strecke immer knapper. Auch wenn sie mehr Zeit und Ausdauer als geplant bis ins Ziel brauchten: sie haben es erreicht!

Ressourcen

Trotz unterschiedlicher Bedingungen stellten beide Marathons Clara und Anton vor ähnliche Herausforderungen. Sogar erfahrene Profi-SportlerInnen sind davor nicht gefeit. Nicht einmal Eliud Kipchoge. Er lief im Oktober 2019 als erster Mensch die Marathondistanz (42,195 km) unter 2 Stunden. Rund um diesen Weltrekord erzählte er öfters, wie ihm der Umgang mit neuen unvorhersehbaren Situationen und Rückschlägen gelang.

Zum Beispiel achtete er darauf seine

  • Resilienz/Widerstandsfähigkeit

zu stärken. In Unternehmen sowie im Sport sind Menschen verschiedenen intrinsischen und extrinsischen Einflüssen ausgesetzt. Hierbei gilt es durch persönliche Zielsetzung und Fokus auf den persönlichen Einflussbereich handlungsfähig zu bleiben bzw. es rasch wieder zu werden. Aber auch, wenn erforderlich, Grenzen zu setzen. Dadurch können Einzelne und ihre Teams weiter für ihren Verantwortungsbereich „brennen“ statt dabei auszubrennen. Denn im Sport und Business ist es wichtig, den Zugang zur eigenen mentalen Stärke zu finden um im entscheidenden Moment die “best version” (von Einzelpersonen oder Teams) abzurufen! Dabei kann auch die

  • Neubewertung/Neuorientierung

einer Erfahrung helfen. Denn es macht einen Unterschied, wie Menschen eine Niederlage oder einen Misserfolg bewerten. Im Sport zeigte das, wie erwähnt, Eliud Kipchoge eindrucksvoll. Er erzielte den Weltrekord in Wien bei seinem zweiten Versuch. Gut 2 Jahre davor verpasste er in Italien sein Ziel um 25 Sekunden. Er empfand dies allerdings nicht als Scheitern. Vielmehr war er überzeugt, dass er knapp davor war, den Rekord zu schaffen.

Gleichzeitig bewegte er sich bis dahin physisch und mental auf unbekanntem Gebiet. Er hatte keine Möglichkeit, sich am „Erfolgsrezept“ anderer Menschen dafür zu orientieren. Denn niemand vor ihm lief einen Marathon unter 2 Stunden.

Im Gegenteil! Es lag an Eliud Kipchoge dies als erster Mensch zu tun. Er glich ForscherInnen, die eine Expedition in ein bislang unerforschtes Gebiet wagten. Auf dem Weg dorthin konnte niemand sagen ob er es erreichen und was er dabei entdecken würde. Zusätzlich bezweifelten viele Menschen seinen Erfolg und hielten diesen teilweise sogar für völlig unmöglich.

Also musste Eliud Kipchoge selbst nach mehr oder weniger „in seiner Vergangenheit vergrabenen Schätzen“ suchen, die ihm helfen könnten. Sein Ziel: (Neue) Ressourcen zu entdecken. Dazu zählte für ihn u.a. das Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten, bisherige Erfolge und seine Aufmerksamkeit auf seine Gestaltungsmöglichkeiten zu richten – auf seinen Lebensstil, UnterstützerInnen und vor allem sein Mindset.

Auch der „Weiter-Entwickler“ der Glühbirne Thomas A. Edison verzweifelte nicht auf der Suche nach dem passenden Material für den Glühfaden. Bis dahin hatte er ca. 150 andere Materialien erfolglos getestet. Er sah es als „Gewinn“ zu wissen, dass diese nicht geeignet sind. In Summe meldete Thomas A. Edison mehr als 1000 Patente an, welche auch teils während seiner Suche entstanden.

Heute stehen Menschen wie Unternehmen ebenfalls vor so mancher Ungewissheit oder Herausforderungen. Dabei hilft eine Mentaltechnik, die Bewegung

  • von der Gegenwart in die gewünschte Zukunft

ermöglicht. Verschiedene mentale Übungen unterstützen Einzelpersonen ebenso wie Teams bei diesem Schritt. Ob im Sport oder Business: Es kann ungeahnte Kräfte entfesseln, wenn Ziele klar definiert und richtig visualisiert werden. Wenn mein Gehirn den Zielzustand schon tatsächlich kennengelernt hat und sich das gute Gefühl verankert, dann werde ich Wege finden und Strategien entwickeln, um tatsächlich dort hinzukommen. Wenn ich nach der Probefahrt schon weiß wie es sich anfühlen wird im nagelneuen Sportwagen zu sitzen, ist die Motivation riesig, ihn auch wirklich haben zu können.

Stärken

In der Kombination verschiedener Interessen und Aspekte steckt mitunter großes Potenzial für persönliche Veränderungen, Gestaltungsmöglichkeiten und Businesserfolge.

Damit Einzelpersonen gezielt in ihre Kraft kommen, ist u.a. Bewusstsein über die eigenen Ressourcen hilfreich. Diese (wieder) zu entdecken gelingt zum Beispiel mit der „Ressourcen Timeline“. Dieses Format eignet sich, um für eine zukünftige Situation Ressourcen zu mobilisieren (z.B. Mut, Gelassenheit, Konzentration o.ä.). Dabei erinnert man sich an spezifische Situationen während seines Lebens, in denen man die gewünschte Ressource, den gewünschten Zustand schon erlebt hat.

In chronologischer Reihenfolge vom Jetzt beginnend macht man eine Gedankenreise zu diesen Situationen. So als wäre man jetzt dort, mit allen Sinnen diesen positiven Zustand wiederzuerleben. Und dabei all die guten Gefühle, Bilder, Empfindungen mitnehmen und gegen Ende in die Gegenwart (mit)bringen. In zukünftigen Stress-Situationen gelingt es durch Wiederaufrufen dieser inneren Bilder und Situationen quasi auf Knopfdruck in den hilfreichen Ressourcenzustand zu gelangen.

Übrigens, ab dem Zeitpunkt, in dem sich Clara und Anton auf ihre Ressourcen und frühere Erfolge konzentrierten, kamen sie besser mit den widrigen Wetterbedingungen zurecht. Sie liefen den Marathon Schritt für Schritt weiter und kamen ins Ziel.

 „Die passenden Ressourcen zu finden und zu stärken, zahlt sich auch für Unternehmen aus“, meinte Clara nach dem Marathon. „Und wenn es möglich wäre auch in meiner Firma Probleme und Niederlagen als Lernprozesse zu sehen, könnten wir alle mutiger, innovativer und eigenverantwortlicher in die Zukunft gehen“ , fand Anton.

Abgesehen von einer Medaille hatten sie an diesem Tag noch mehr gewonnen. Clara und Anton haben alte Stärken wiederentdeckt und aus ungünstigen äußeren Umständen das bestmögliche für sich gemacht.

Und wie ist das bei Ihnen? Wie stärken Sie Ihre Resilienz? Was sind ihre Strategien bei Veränderung und unerwarteten Herausforderungen? Was hilft Ihnen, Ihre Ressourcen abzurufen? Wie fördert ihr Unternehmen eine positive Fehlerkultur? Schreiben Sie uns hier über Ihre Erfahrungen oder schicken Sie uns eine Nachricht auf LinkedIn!

Alles Gute bis dahin,

Heidi Haberl-Glantschnig, Martina Hofer Moreno und Katharina Janauschek

No Comments

Add your comment